War Montanita gestern abend leer, so ist es heute morgen tot. Allerdings mag ich die Nachsaisonathmosphäre solcher Orte. Wer von jedem einzelnen Touristen leben muss, vertreibt sich die Zeit, indem er die Straße fegt, Surfboards vor dem Laden parallel ausrichtet oder ohnehin nicht gebrauchte Gläser poliert. Einer sitzt auf der Bordsteinkante, schwätzt mit ein paar Kollegen und hat aus unerfindlichen Gründen eine kapitale Python um den Hals hängen. Junge Menschen, die ich für Touristen hielt, verdingen sich als Bedienungen oder Betreuer von Internet-Terminals. Oder sie sind durch das Schieben von Kinderwägen als Ansässige zu erkennen. Der ganze Ort lebt offenbar vom Halligalli am Wochenende.
Nachmittags vergnügen sich diese Leute selbst mit Dingen wie Surfen oder Volleyball, mit denen sie eigentlich ihr Geld verdienen sollten. Ein 40jähriger Eddy Van Halen lustwandelt mit seiner Fender den Strand entlang. Irgendwo muss er Verstärker und Verzerrer versteckt haben. Es klingt, als wären LSD und Bands wie "The Cream" nie aus der Mode gekommen. Dann Sturmwarnung. Endgültig Zeit für die Montaniter, die Sofas ihrer Lokale zu schrubben, und manchem Laden einen neuen Anstrich zu verpassen. Die Python hängt inzwischen einem Mädel um den Hals.
Nachmittags stelle ich fest, dass der "Sprachführer Spanisch" der Firma Langenscheidt einen ziemlich effektiven Grammatikabriss enthält. Das hätte ich mal früher merken sollen. Abends sind einige neue Anhänger des leichten Lebens aufgetaucht. Die Kirche, vorher voll von Baugerüsten, wird wiedereröffnet. Aus dem "Cafe Insomniac" klingt eine Reggaeversion von "Stairway To Heaven". In einer anderen Bar zeigen sie ein Konzert der Gypsy Kings, die bekanntlich kein Klischee lateinamerikanischer Musik ausgelassen haben. Wieder haben die Straßenhunde bei der Abendunterhaltung eine Nasenspitze vorn.
Mittwoch, 20. August 2008
Dienstag, 19. August 2008
Portoviejo
Morgens trinke ich einen Tee, der "Sweet Dreams" heißt. Doch auf der holprigen Busfahrt zurück nach Puerto Lopez ist an Schlafen nicht zu denken. Im Bus nach Portoviejo sind dann doppelt soviele Leute drin wie reinpassen. Ich stehe während der ersten Stunden, was aber bei dem Gerumpel kein Nachteil ist.
Portoviejo gefällt mir, denn hier scheint die Sonne. Allerdings besteht die Vorstadt nur aus Mechanikerwerkstätten und Krachfabriken. Diesmal führt mich mein Instinkt in die falsche Richtung, ich brauche ein Taxi in die Innenstadt. Das "Hotel Conquistador" muss ich dort allerdings selbst finden. Um sich Portoviejo vorzustellen, denke man an eine durchschnittlich scheußliche Großstadt in einem Entwicklungsland. Was das Chaos der Stromleitungen angeht, könnte man hier allerdings noch einiges von Delhi lernen. In einer Stunde habe ich weder einen vernünftigen Platz zu essen, noch ein geöffnetes Internetcafe gefunden. Dort, wo ich diese Zeilen schließlich tippe, konkurriert der Lärm hupender Autos und anderen Straßengeräusche mit dem Brausen einer vorsintflutlichen Klimanalage. Das Rauschen eines Radios geht völlig unter.
Ich lese, dass einer der Dresdner Couchsurfing-Gruppe vorschlägt, in Zukunft vor den Treffen gemeinsam Blut spenden zu gehen. Ein anderer meint, er sei Schamane, und rate ohne geistige Betreuung nicht zur Abgabe von Blut, da dieses ein Stück Seele beinhalte.
Abends trinke ich roten Melonensaft. Portoviejo präsentiert sich unverändert, nur dass die Stadt nun tot wie vom Vampir gebissen ist.
Portoviejo gefällt mir, denn hier scheint die Sonne. Allerdings besteht die Vorstadt nur aus Mechanikerwerkstätten und Krachfabriken. Diesmal führt mich mein Instinkt in die falsche Richtung, ich brauche ein Taxi in die Innenstadt. Das "Hotel Conquistador" muss ich dort allerdings selbst finden. Um sich Portoviejo vorzustellen, denke man an eine durchschnittlich scheußliche Großstadt in einem Entwicklungsland. Was das Chaos der Stromleitungen angeht, könnte man hier allerdings noch einiges von Delhi lernen. In einer Stunde habe ich weder einen vernünftigen Platz zu essen, noch ein geöffnetes Internetcafe gefunden. Dort, wo ich diese Zeilen schließlich tippe, konkurriert der Lärm hupender Autos und anderen Straßengeräusche mit dem Brausen einer vorsintflutlichen Klimanalage. Das Rauschen eines Radios geht völlig unter.
Ich lese, dass einer der Dresdner Couchsurfing-Gruppe vorschlägt, in Zukunft vor den Treffen gemeinsam Blut spenden zu gehen. Ein anderer meint, er sei Schamane, und rate ohne geistige Betreuung nicht zur Abgabe von Blut, da dieses ein Stück Seele beinhalte.
Abends trinke ich roten Melonensaft. Portoviejo präsentiert sich unverändert, nur dass die Stadt nun tot wie vom Vampir gebissen ist.
Montag, 18. August 2008
Zurück nach Quito
Die Nacht zerfiel in kleine Schlafetappen. Schlechte Luft, eine steinharte Matratze und das Fernsehprogramm des Zimmernachbarn trugen ihren Teil bei. Ich frühstücke an einem Plastiktisch vor einer der zwanzig Kleingastronomieboxen am Busbahnhof Portoviejos. Jeweils zwei Frauen wirbeln auf drei Quadratmetern mit Töpfen, Schüsseln und Messern.
Der Bus zurück nach Quito ist ein Luxusexemplar mit breiten und verstellbaren Sitzen. Einige Herren versuchen, ihre bunten Lotteriescheine loszuwerden. Ein omnipräsentes Phänomen, das ich erst jetzt erwähne.
Die Fahrt bietet nochmals eine schöne Zusammenfassung Ecuadors: Üppige Plantagen, lebhafte Staubstädte, Baumhäuser, Steinzerreibunsanlagen, malerische Wäscheleinen, hanebüchene Straßen, Volleyballnetze, mit den andere fischen würden, Reisfelder, Nebelküche, banale Latino-Klänge und wunderschöne Schluchten. Und wie immer betrachten Raubvögel das alles von oben. Es gibt einen Vortrag zu einem medizischen Wundermittel aus dem Busch, das für einen Dollar Diabetes, hohes Cholesterin, Menstruationsbeschwerden, Hautausdünstungen und Depressionen beseitigen soll. Ein junges Mädel bringt es fertig, dem halben Bus eine Kette mit Glasstein dran zu verkaufen.
In Quito finde ich ein passables Zimmer im "Hotel Galapagos" direkt am Flughafen. Ein schmuckloses Penthouse mit tollem Blick auf die Stadt. Allerdings hat die Sache mit dem Flughafen akustische Nachteile.
Der Bus zurück nach Quito ist ein Luxusexemplar mit breiten und verstellbaren Sitzen. Einige Herren versuchen, ihre bunten Lotteriescheine loszuwerden. Ein omnipräsentes Phänomen, das ich erst jetzt erwähne.
Die Fahrt bietet nochmals eine schöne Zusammenfassung Ecuadors: Üppige Plantagen, lebhafte Staubstädte, Baumhäuser, Steinzerreibunsanlagen, malerische Wäscheleinen, hanebüchene Straßen, Volleyballnetze, mit den andere fischen würden, Reisfelder, Nebelküche, banale Latino-Klänge und wunderschöne Schluchten. Und wie immer betrachten Raubvögel das alles von oben. Es gibt einen Vortrag zu einem medizischen Wundermittel aus dem Busch, das für einen Dollar Diabetes, hohes Cholesterin, Menstruationsbeschwerden, Hautausdünstungen und Depressionen beseitigen soll. Ein junges Mädel bringt es fertig, dem halben Bus eine Kette mit Glasstein dran zu verkaufen.
In Quito finde ich ein passables Zimmer im "Hotel Galapagos" direkt am Flughafen. Ein schmuckloses Penthouse mit tollem Blick auf die Stadt. Allerdings hat die Sache mit dem Flughafen akustische Nachteile.
Sonntag, 17. August 2008
Heimreise
Vorgestern nacht schwang der Boden meines Hotelzimmers in Quito mit jedem Auto mit, das die Straße entlangfuhr. Von den Flugzeugen gar nicht zu reden.
Am Flughafen sind noch $40,80 fällig (vier durchschnittliche ecuadorianische Tageslöhne). Auf meinen Wunsch, den Anschlussflug Amsterdam - München verfallen zu lassen (den hätte ich ohnehin nicht gebucht, wenn das online möglich gewesen wäre) heißt es, eine Umbuchung sei auf keinen Fall möglich, und ich solle doch in Amsterdam versuchen, mein Gepäck auszulösen. Souvenirläden verkaufen den in Wahrheit aus Eucador stammenden Panamahut. Bei dem redundanten Stopp auf dem Glutofen Bonaire (Niederländische Antillen) kann man tortengroße niederländische Käseräder ("Cheeses of the world") erwerben. Eine Frau in der "Smoking Lounge" hält in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ihren Säugling.
Auf dem Flug nach Amsterdam gibt's zum letzen Mal Bananen -- als getrocknete Scheiben auf einem kondensierten Schokokuchen. Um 4h 20 kommme ich in Amsterdam an. Nach drei Stunden hin und her ("Geht nicht", "Machen wir eigentlich nicht", "Da hätten die Kollegen in Quito einfach das Gepäck auf 'Amsterdam' umdeklarieren sollen") und Schnitzeljagd durch den Flughafen Schiphol ist es mir gelungen, mein Anschlussticket nach München der KLM zu schenken, und ich bin wieder in Besitz meines Rucksacks.
Dieses mal bekomme ich von Holland wenig mit, weil mich heftige Schlafattacken befallen.
Auf dem Hauptbahnhof in Dresden bietet der Stand "Schals der Welt" einige Exemplare, die mir seltsam südamerikanisch vorkommen. Zuhause erwartet mich eine Aufmerksamkeit von meinen Freunden Tanja und Dirk, denen ich meine Wohnung für ein Wochenende geliehen hatte: Eine Packung Tee der Sorte "Dschungelblüte". Wenn sich da nicht die Kreise schließen.
Ende
Am Flughafen sind noch $40,80 fällig (vier durchschnittliche ecuadorianische Tageslöhne). Auf meinen Wunsch, den Anschlussflug Amsterdam - München verfallen zu lassen (den hätte ich ohnehin nicht gebucht, wenn das online möglich gewesen wäre) heißt es, eine Umbuchung sei auf keinen Fall möglich, und ich solle doch in Amsterdam versuchen, mein Gepäck auszulösen. Souvenirläden verkaufen den in Wahrheit aus Eucador stammenden Panamahut. Bei dem redundanten Stopp auf dem Glutofen Bonaire (Niederländische Antillen) kann man tortengroße niederländische Käseräder ("Cheeses of the world") erwerben. Eine Frau in der "Smoking Lounge" hält in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ihren Säugling.
Auf dem Flug nach Amsterdam gibt's zum letzen Mal Bananen -- als getrocknete Scheiben auf einem kondensierten Schokokuchen. Um 4h 20 kommme ich in Amsterdam an. Nach drei Stunden hin und her ("Geht nicht", "Machen wir eigentlich nicht", "Da hätten die Kollegen in Quito einfach das Gepäck auf 'Amsterdam' umdeklarieren sollen") und Schnitzeljagd durch den Flughafen Schiphol ist es mir gelungen, mein Anschlussticket nach München der KLM zu schenken, und ich bin wieder in Besitz meines Rucksacks.
Dieses mal bekomme ich von Holland wenig mit, weil mich heftige Schlafattacken befallen.
Auf dem Hauptbahnhof in Dresden bietet der Stand "Schals der Welt" einige Exemplare, die mir seltsam südamerikanisch vorkommen. Zuhause erwartet mich eine Aufmerksamkeit von meinen Freunden Tanja und Dirk, denen ich meine Wohnung für ein Wochenende geliehen hatte: Eine Packung Tee der Sorte "Dschungelblüte". Wenn sich da nicht die Kreise schließen.
Ende
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